Sonntag, 31. Mai 2015

Zufälle gibts, die gibts gar nicht

Von Kambodschas Küste wussten wir nicht allzu viel, aber uns ist zu Ohren gekommen, dass sie sehr schön sein soll. Deshalb beschlossen wir, ihr gleich mal einen Besuch abzustatten, zumal wir ja auch seit 1 Monat das Meer nicht mehr gesehen hatten.
Wir verbrachten 4 Tage im Hauptbadeort Sihanoukville, erkundeten die Gegend mit dem Roller, saßen Abends am Strand mit gegrilltem Fisch und schauten uns die verschiedenen Strände an (allerdings sind nur 2 von 7 Stränden wirklich schön). 
Jeden Abend Sonnenuntergang am Strand schauen.
Mobile Grills - die Frauen bieten frische Schrimps und Squids an.
Relaxtag am Otress Beach.
Frische Kokosnuss schmeckt am Strand am Besten.
Uns gehts echt (zu) gut!

An einem der Abende gab es für uns eine riesige Überraschung. Christian war (mal wieder) beim Frisör und da das letztens so gut lief, hatten wir ein Grundvertrauen in die asiatischen Frisöre und wir bestellten 1x Haareschneiden ohne vorher ein Bild auszusuchen. 
Da hier selten ein Geschäft für nur eine Dienstleistung reserviert ist, gab es im Friseursalon auch gleich noch eine Reiseagentur. Glück für uns, denn zu dieser Reiseagentur kamen gerade unsere Freunde aus Laos: Damien und Vanessa. Die Wiedersehensfreude war riesig und wir verabredeten uns gleich zum Abendessen. Da wir absolut unterschiedliche Reiserouten gewählt hatten, gab es natürlich extrem viel zu erzählen und es wurde ein langer Abend.

Leider kann man sich keine 10 Minuten unterhalten, ohne von den zahlreichen Kindern unterbrochen zu werden, die ihren Schmuck, Feuerwerk oder Lampions an die Touristen bringen sollen. Überall lasen wir aber, dass wir Nichts von Kindern abkaufen sollen, da sie nicht lernen sollen, dass dies funktioniert und lieber motiviert sein sollen zur Schule zu gehen. 
An diesem Abend trafen wir aber auf zwei Mädels mit sehr losem (und sehr lustigem) Mundwerk und wurden dann doch den ein oder anderen $ los... Die Kids würden echt gute Versicherungsvertreter in Deutschland abgeben, sie können einen wirklich an die Wand quatschen!
Christian übernimmt das Geschäft...

Freitag, 29. Mai 2015

Gänsehaut bei 40 Grad im Schatten...



Von 1975-1978 durchschritt Kambodscha das dunkelste Kapitel seiner bisherigen Geschichte. Am 17. April 1975 nahmen die Roten Khmer (eine nationalistische Guerillabewegung) unter der Führung von Pol Pot das Land ein. Pol Pot wollte das Land gesellschaftlich umstrukturieren und in einen autonomen Agrarkommunismus verwandeln. Dafür evakuierten die Roten Khmer alle Städte (innerhalb von drei Tagen vollständig) und zwangen ALLE Menschen (auch Alte, Kranke, Familien mit Kleinkindern) in Gewaltmärschen aufs Land zu gehen. Dort mussten sie bis zur Erschöpfung unter der heißen Sonne auf den Reisfeldern arbeiten. Zahlreiche Menschen starben vor Hunger, Durst und Erschöpfung. Aber damit nicht genug. Jeder, der auch nur annähernd Intelligenz ausstrahlte, sei es durch das Tragen einer Brille oder eine höhere Ausbildung besaß (z.B. Lehrer, Mönche…) wurde entweder ins Foltergefängnis gesteckt oder direkt zu einem der zahlreichen Killing Fields gebracht und ermordet. 

Eines dieser ehemaligen Killing Fields besuchten wir nahe der Hauptstadt. Insgesamt gab es davon über 300 Stück über ganz Kambodscha verteilt. Ein Killing Field ist ein Platz, an dem die Roten Khmer Massenmorde an ihrem eigenen Volk begangen. Insgesamt wurden in den 3 Jahren über 2 Millionen Kambodschaner ermordet, das ist ein Drittel der Gesamtbevölkerung!

Heute ist dieser ehemalige Ort des Grauens eine Gedenkstätte. Bei einem Rundgang mit einem Audioguide wurde uns an jeder Stelle erklärt, was hier abgelaufen ist und es gab auch grausame Berichte der wenigen Überlebenden zu hören.
Es ist unvorstellbar, was Pol Pot dem eigenen Volk angetan hat. Die Menschen wurden mit verbundenen Augen und gefesselt auf Lastwagen verladen und zu den Killing Fields deportiert. Anfangs wurden die Ankömmlinge sofort erschossen, aber ab 1978 wurden es zu viele, sodass sie eingepfercht in dunkle Ställe auf ihren Tod warten mussten. Um Gewehrkugeln zu sparen, nutzen die Roten Khmer alle ihnen verfügbaren Gegenstände, um die Menschen umzubringen, darunter Macheten, Palmeblätter (mit denen ihnen die Kehlen durchgeschnitten wurden), Bambusstöcke oder Giftgas. Das Motto lautete: 
"Lieber einen unschuldigen zu viel töten, als einen Feind verschonen".


Mit den spitzen Blättern dieses Palmenstammes wurden die Menschen u.a. ermordet.
Eines der 129 Massengräber allein auf diesem Killing Field.
Dieser Baum hat uns nach dem Besuch nicht schlafen lassen: Die Roten Khmer töteten daran Babys und Kleinkinder, indem sie ihre Köpfe dagegenschlugen...wie kann ein Mensch nur zu so etwas fähig sein!?

Die Gedenkstupa, in der die Gebeine der Toten aufbewahrt werden.
Das Innere der Stupa.

Der Völkermord in Kambodscha hat uns sehr bewegt. Vor allem, weil wir hier jeden Tag auf die Menschen treffen, die diese Schreckensherrschaft hautnah miterlebt haben. Die Kambodschaner sind allesamt unheimlich nett, hilfsbereit und haben immer ein Lächeln auf den Lippen, was angesichts ihrer Erlebnisse schwer zu glauben ist. Hinzu kommt noch, dass die Aufarbeitung der Verbrechen vor Gericht erst in den 2000er Jahren begann und bis heute andauert. Die meisten der Anhänger Pol Pots sind bereits einen friedlichen Alterstod gestorben und auch der Anführer selbst, führte bis zu seinem 82. Lebensjahr ein ruhiges und schönes Leben mit seinen Kindern und Enkeln, obwohl es 2 Millionen Menschen auf dem Gewissen hat...
Hätte es diese 3 Jahre in der Geschichte Kambodschas nicht gegeben, wäre das Land heute schon viel weiter in seiner Entwicklung und wirtschaftlichen Struktur.