Sonntag, 10. Mai 2015

"Tue Gutes und dir widerfährt Gutes"



In Chiang Mai besteht die Möglichkeit, sich mit den Mönchen zu einem Gespräch zu treffen. Sie stehen interessierten Touristen für Fragen zum Buddhismus zur Verfügung und wollen dadurch ihr Englisch verbessern.

Gemeinsam mit unserer Bekanntschaft Daniel aus London machten wir uns also auf den Weg zu einem der Tempel und durften dort für zwei Stunden unsere Fragen an die Mönche loswerden. Wobei wir uns aber auch über alles Mögliche mit ihnen unterhalten haben, wie z.B. die Respektlosigkeit und Unhöflichkeit der chinesischen Touristen. Im Nachhinein wurden wir von einem der Mönche noch 1,5 Stunden in unterschiedlichen Meditationstechniken unterrichtet.
Unterricht im Meditieren.
Das war für uns eine unheimlich aufschlussreiche Begegnung, denn wir hätten nicht gedacht, dass die Mönche tatsächlich so „normal“ sind. Das heißt, sie bewegen sich eigentlich genauso durch die Welt wie wir, gehen im Seven-Eleven (Supermarkt) einkaufen, fahren Taxi, Bus, Zug und tippen auf ihren Smartphones rum, um die neusten Nachrichten bei Facebook zu checken. 
"Normale" Mönche mit ihren Smartphones in Bangkok.

Dennoch unterscheidet sich ihr Alltag stark von unserem. Jeder Tag eines Mönches läuft gleich ab, so etwas wie Wochenende gibt es nicht: 5.00Uhr morgens aufstehen, gemeinsam mit den anderen Mönchen im Tempel singen und meditieren, dann gehen sie in die Stadt für ihren täglichen Almosengang. Dabei bekommen sie von den Dorfbewohnern Essen und andere Kleinigkeiten, denn ein Mönch verdient kein Geld und lebt nur davon, was ihm die Bevölkerung zukommen lässt (u.a. auch Spendengelder). Danach geht es zurück in den Tempel zum Frühstück, bevor sie sich den Studien des Buddhismus widmen (dieses Studium dauert in der Regel 4 Jahre), was den gesamten Tag bis in die Abendstunden einnimmt. Am Abend treffen sich die Mönche ein weiteres Mal zum Singen und Meditieren.
Beim Buddhismus handelt es sich im engeren Sinn um eine Religion (die viertgrößte nach dem Christentum, Islam und Hinduismus)  und noch vielmehr um einen Lebensstil, welcher auf der Welt insgesamt ca. 500 Mio. Anhänger hat. Es gibt natürlich auch hier zahlreiche verschiedene Arten, aber im Grunde geht es darum, ein gutes Leben zu führen, um dann in einem möglichst guten Körper wiedergeboren zu werden. Das zentrale Motto lautet: „Tue Gutes und dir widerfährt Gutes“.  Zu diesem guten Lebensstil gehört z.B. auch, dass ein Buddhist niemals tötet, nicht einmal eine Mücke oder eine Ameise! 


Unsere gemütliche Plauderrunde.

Das Ziel der buddhistischen Praxis, v.a. des Meditierens ist es, einen Erkenntnisgewinn zu erlangen, welches nur gelingt, wenn man den Verzicht praktiziert, bzw. ein Leben im Überfluss zu vermeiden versucht. Dabei berufen sich die Anhänger auf die Lehre des Siddhartha Gautama, der im 6. Jahrhundert v. Chr. gelebt hat und im Buddhismus als „historischer Buddha“ bezeichnet wird. Diese „Figur“ wird also angebetet (ähnlich wie im Christentum Jesus Christus). 
Allerdings sind die Buddhisten davon überzeugt, dass niemand ihr Leben steuert, sondern nur sie selbst dafür verantwortlich sind, was geschieht. Der historische Buddha wird also nicht aus dem Grund angebetet, weil sie der Meinung sind, er steuere ihr Leben, sondern sie verehren ihn aufgrund seiner guten Taten zu Lebzeiten und sehen ihn vielmehr als Vorbild. 

Aufgrund der Lebzeiten dieses Buddhas ist die Zeitrechnung in Thailand eine andere. Im April, als das thailändische Neujahrsfest gefiert wurde, begann hier das Jahr 2558.

Wie wird man ein Mönch?
Jeder Junge, der aus einer buddhistischen Familie stammt, muss einmal in seinem Leben für mindestens 4 Wochen als Mönch in einem Tempel leben. Danach kann es selbst entscheiden, ob er Mönch werden möchte. Dafür gibt es keine Altersbeschränkung, sondern es richtet sich nach der Reife des Jungen. Im Allgemeinen können die Jungen ab dem 10. Lebensjahr in einen Tempel ziehen. Dann sind sie für zwei Jahre sogenannte Novize, also Anwärter, bevor sie sich als richtige Mönche bezeichnen dürfen. Bei einem unserer Mönche war es allerdings so, dass er erst mit 19 Mönch wurde, da seine Familie ihn möglichst lange bei sich behalten wollte. 
Kindermönch in der 4wöchigen "Testphase"
P.S.: Diesen Kindermönch haben wir in Bangkok in einem Tempel beobachtet. Zu diesem Zeitpunkt haben wir allerdings noch nicht gewusst, dass jeder Junge die 4wöchige Mönchphase durchlaufen muss und erst danach entscheidet, ob er Mönch werden möchte. Dieser kleine Junge hier schien extrem genervt und lief seinem Vater (der übrigens kein Mönch war) nur widerwillig hinterher, was wir ziemlich erheitert beobachtet haben. Gleichzeitig haben wir uns aber auch gefragt, warum er ein Mönch ist, wenn ihm das scheinbar keinen Spaß bereitet. Nun wissen wir, dass er die Pflicht eines buddhistischen Jungen erfüllt hat und wir gehen mal davon aus, er wird sich gegen ein Leben als Mönch entscheiden ;-)

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