Dienstag, 26. Mai 2015

Die Tempel von Angkor



Kambodscha – oder besser gesagt die Khmer (kambodschanische Einwohner) besaßen einst das größte Reich des asiatischen Kontinents. Vom 9. bis 15. Jahrhundert regierte das Khmer-Königreich „Kambuja“ mit der Hauptstadt Angkor Thom große Teile Asiens (ähnlich wie das Römische Reich in Europa). Zeugen dieser ruhmreichen Vergangenheit sind heute noch erhalten: Die Tempel von Angkor bilden das 8. Weltwunder und zählen zu den weltweit bedeutendsten Stätten des Altertums.

Wir starteten unseren Angkor-Ausflug am Montag mit einem Besuch zum Sonnenuntergang. 
Wir mussten allerdings ziemlich schnell feststellen, dass wir hier am wohl größten Touristen-Hotspot unserer gesamten Reise eingetroffen waren. Da nur 300 Menschen gleichzeitig den alten Tempel namens Phnom Bakheng, der auf einem Hügel liegt, betreten durften, mussten wir mehr als 30 Minuten anstehen.
Aber das lange Warte zahlte sich aus. Von oben bekamen wir einen ersten Blick auf den Tempel Angkor Wat, was die Vorfreude auf den nächsten Tag erheblich steigerte. 
Angkor Wat von oben.
Und der Sonnenuntergang war auch sehr hübsch.
Am Dienstag sind wir früh los, um möglichst viel für die $20 Eintrittsgeld zu sehen. Unser Tuk-Tuk-Fahrer namens Tina brachte uns von Siem Reap (Stadt, in der wir schlafen) zu den 8 Kilometer entfernten Tempeln. Da die Anlagen alle etwas auseinander liegen (die Gesamtfläche Angkors beträgt über 200km²), wurden wir zwischendurch auch immer wieder kürzere und längere Strecken von ihm gefahren. 
Angefangen haben wir mit dem größten religiösen Gebäude der Welt: Angkor Wat. Für die Khmer symbolisiert diese riesige Tempelanlage ihren ganzen nationalen Stolz. Aus der gleichen Zeit wie Angkor Wat, entstammt in Europa übrigens Westminster Abbey in London.
Erster Blick auf die riesige Tempelanlage.
Angor Wat aus der Ferne.
Selbst die marodesten Buddhastatuen werden geschmückt...
...und bekommen die traditionellen Opfergaben. Hier in Form eines ganzen Hähnchens.
Die riesigen Säulengänge wurden früher für die "walking meditation" der Mönche genutzt.
Die Innschriften in jeder einzelnen Säule lassen erahnen, wie prächtig der Tempel einst ausgesehen haben muss.
Auch für die Mönche bildet Angkor eine Pilgerstätte.
Ein kleiner Teil der Anlage von oben.
Jede Wand oder Säule weist Verzierungen auf.
Weiter ging es nach Angkor Thom, der einstigen Hauptstadt des riesigen Khmer-Reiches. Die Eingänge zur Stadt Angkor Thom sind in jeder Himmelsrichtung mit einem Stadttor versehen. Jedes Tor hat ein riesiges Steingesicht, welches scheinbar die Stadt und seine Ankömmlinge von oben betrachtet. Für die damaligen Bauern zum Beispiel muss dieser Anblick ziemlich einschüchternd gewirkt haben. Die Stadt hatte insgesamt eine Größe von 10km², was für die damaligen Verhältnisse eine enorme Monumentalität darstellte. 

Eingang zur Stadt, im Hintergrund das Stadttor.
Oberster Teil des südlichen Stadttores.
Innerhalb der Stadt liegt das Gotteshaus Bayon, welches eines der eigentümlichsten seiner Art ist. Der buddhistische Tempel besteht aus 54 Türmen mit je 4 Gesichtern. Das heißt insgesamt wird der Betrachter hier von 216 Augenpaaren angestarrt. Zur damaligen Zeit dienten die Gesichter (die wirklich aus jedem Winkel auf einen herab blicken) dazu, Macht und Kontrolle über die Bevölkerung auszustrahlen.
Die 54 Türme repräsentieren die 54 Provinzen, aus denen das damalige Reich bestand (heute hat Kambodscha 24 Provinzen).
Bayon von Weitem.
Zum Glück hat jeder eine Kamera, mit der wild drauf los geknipst werden kann ;-)
Als die Tempel im 18. Jahrhundert von europäischen Eroberern entdeckt wurden, waren viele von ihnen starkt zerstört. Archäologen und Historiker versuchen sich bis heute an der Rekonstruktion. So auch beim nächsten Tempel Baphuon, der auch als größtes Puzzle der Wert bezeichnet wird. Er wurde von den Archäologen Stein für Stein auseinander genommen, um die Steine von Moos und anderen Dingen zu befreien. Die akribisch gemachten Aufzeichnungen wurden im Bürgerkrieg in den 1980er Jahren zerstört, weshalb die Arbeit nun umso schwerer bis fast unmöglich ist.
Die Treppen waren allesamt extrem steil.
Das große Puzzle: der liegende Buddha wird mühselig wieder zusammen gesetzt.
Ohne dieses Schild hätten wir den Buddha wohl nicht erkannt.
Die 350m lange Elefantenterasse in der Stadt diente früher als riesige Tribüne, von der aus der König bei den öffentlichen Zeremonien und den Umzügen mit Elefanten, Pferdewagen und Kapellen zusah und sich vom Volk zujubeln ließ.
Überall finden sich zahlreiche Details an den Wänden.
Der Ta Prohm, auch Dschungel-Tempel genannt, ist einer der Tempel, der zeigt, wie die Anlage ausgesehen haben muss, als sie im 18. Jahrhundert entdeckt wurde. Innerhalb einiger Jahrhunderte hat sich die Natur ihr Reich zurück erobert. Die Anlage ist durchsetzt mit jahrhundertealten Bäumen, was das Bauwerk für uns zum Schönsten der Angkor-Anlagen machte.
Der Tempel diente übrigens für einen der Tomb Raider Filme als Drehort, weshalb er auch den Namen Tomb Raider Tempel trägt.
Um ganz Angkor zu erkunden, bräuchte man mehrere Tage. Wir entschieden für uns allerdings, dass wir das Wichtigste gesehen haben und beließen es bei einem Tagesbesuch. 

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