Freitag, 19. Juni 2015

Eine Reise mit der Transmongolischen Eisenbahn

Vor uns lagen drei Tage Zugfahrt mit der Transmongolischen Eisenbahn. Wir freuten uns riesig darauf, war es doch eine absolute Wohltat nach den letzten Tagen und Wochen in Saigon und Peking einfach nur da zu sitzen und die Landschaft zu bestaunen. Ein bisschen mulmig war uns aber im Vorraus dennoch: wir hatten nämlich 2. Klasse gebucht, heißt also zu viert mit zwei Unbekannten auf engstem Raum und das für 2 Nächte und 3 Tage. Susis größte Sorge bestand darin, dass wir hoffentlich nicht mit zwei schnarchenden chinesischen Männern unser Abteil teilen würden. 
Los ging es am Bahnhof in Peking. Das Bahnhofsgebäude darf man nur nach erfolgreich absolvierter Sicherheitskontrolle (wie am Flughafen) betreten und wenn man ein gültiges Ticket für den Tag vorweisen kann.
Anstehen für den Security-Check.
Endlich am Bahnsteig.

Schnell noch Fenster putzen, damit die Fotos auch was werden.
Wir hatten Glück: der Zug war nicht ausgebucht und somit hatten wir unser 4er-Abteil für uns allein. YEAHHH!!!
Fahrplan studieren im Gang. Rechts liegt unser Abteil.
Jedes Abteil besitzt 4 Betten, 2 unten & 2 oben. Ganz schön eng hier für 4...
Den Platz haben wir komplett für uns allein gebraucht...
Auf der Strecke von Peking nach Irkutsk durchfuhren wir in China zunächst unzählige Tunnel, um das Plateau der Inneren Mongolei zu durchqueren. Vorbei an Staudämmen, Windrädern, Kohlekraftwerken ging es zur Grenzstadt Erlian.
Energie für 1,3 Milliarden Menschen...
...wird aus allen vorhandenen Ressourcen gezogen.
Und es wird gebaut, was das Zeug hält: Wohnraum ohne Ende...
Das letzte chinesische Mahl im chinesischen Speisewagen.
Die Speisewagen werden jeweils an der Grenze ausgetauscht, sodass wir auf unserer 3-Tagesreise auch drei verschiedene Speisewagen haben: den chinesischen, den mongolischen und letztlich den russischen Speisewagen.
Spionieren in der 1. Klasse.
Die beiden Australier lernten wir beim Essen kennen. Das nutzen wir gleich, um uns die 1. Klasse mal genauer anzusehen.
Die 1. Klasse hat man für sich allein. Man hat sogar eine Dusche und eine Toilette im Abteil. Wir hingegen in der 2. Klasse haben keine Dusche und nur eine Toilette für den gesamten Wagon. Dafür kostet die 1. Klasse aber auch das Doppelte.
So langsam kamen wir in ländlichere Gegend.
Da geht der erste Tag auch schon zu Ende.
An der Grenze von China zur Mongolei hatten wir einen 4stündigen Aufenthalt. Zunächst mussten wir aus China ausreisen, dann in die Mongolei einreisen. Und darüber hinaus wurde der Speisewagen ausgetauscht (der sich übrigens in der Mitte des Zuges befindet, nicht am Ende). Und zu guter Letzt wurde der Zug noch umgespurt. Das heißt der gesamte Zug wurde Wagon für Wagon in der Halle aufbebockt (wir durften währenddessen im Zug bleiben) und die Wagons bekamen einen neuen fahrbaren Untersatz verpasst. Für uns besser als jeder Spielfilm zum Abendprogramm. Leider dauerte das gesamte Spektakel bis 1 Uhr nachts, eher durften wir auch nicht schlafen, da wir unsere Pässe erst bei der Abfahrt des Zuges wieder ausgeteilt bekamen. Nach dem Schlafdefizit der letzten Tage etwas unschön...
Umspuren in der Werkshalle.

Am nächsten Morgen erwachten wir inmitten der Wüste Gobi. Über mehrere Stunden durchfuhren wir die unendlichen Weiten, die dann in die mongolische Steppe übergehen.
Vereinzelte kleine Dörfer.
Manchmal gab es kilometerweit nichts, außer einer Jurte - der traditionellen Behausung der mongolischen Nomaden.
Die traditionelle Jurten-Behausung weicht den Wohnblöcken.
Kamelherden
So langsam gesellt sich ein bisschen Grün in die Wüstenlandschaft.
Steppenreiter
Dann kam mal wieder kilometerweit nichts.
Unsere nahrhaften Mahlzeiten ;-)

Langsam kam dann Ulaan Baatar, die Hauptstadt der Mongolei in Sicht. Am Stadtrand sind viele Mongolen mit ihren Jurten sesshaft geworden, was wir daran erkannten, dass sie diese eingezäunt hatten. Je weiter wir ins Stadtzentrum vordrangen, desto höher wurden auch die Häuser und Ulaan Baatar schien das Gesicht einer ganz normalen Großstadt anzunehmen. Von den 3 Millionen Einwohnern, die die Mongolei hat, leben etwa die Hälfte in der Hauptstadt.
Eingezäunte Jurten der sesshaften Nomaden.
Die Ausdehnung der Stadt war vom Zug aus super zu sehen.
Das dezente Chaos lässt erkennen, dass die Stadt irgendwie zusammengewachsen ist.
Eine Stadt in der Steppe - keine Bäume weit und breit lassen sie ein wenig trostlos aussehen...
Hochhäuser im Stadtzentrum.
Mongolei: check!
Kaum waren wir aus der Stadt raus, bekamen wir wieder die unendlichen Weiten des Landes zu Gesicht.
Ihr glaubt gar nicht, wie man sich über so ein bisschen grünes Gras freuen kann.
Der mongolische Speisewagen war auch sehr sehenswert.
In der Nacht stand wieder die Grenzkontrolle von der Mongolei nach Russland an. Und die Russen machen keine halben Sachen: sie haben den Zug komplett auseinander genommen. Unser gesamtes Gepäck wurde durchsucht, die Heizungsabdeckungen entfernt, der Zug von unten mit der Taschenlampe abgeleuchtet, das Dach inspiziert und sogar die Mülleimer wurden ausgebaut. Während des gesamten Prozesses wurde der Zug von außen von russischen Soldaten bewacht, die bei unserer Abfahrt um 3.00Uhr nachts dann salutierten. 
Wir mussten feststellen, dass man in die Transmongolische Eisenbahn nicht geht, um sich auszuschlafen. Nachts kann man nicht schlafen, weil man für die Grenzkontrollen ansprechbar sein muss und tagsüber will man nicht schlafen, weil man Angst hat, etwas von der schönen Landschaft zu verpassen. 

Gerade waren wir noch in der grauen Steppenlandschaft der Mongolei und am nächsten Morgen begrüßte uns das tiefe Blau des Baikalsees in Sibirien.Wir fuhren über 3 Stunden am südlichen Ufer des Sees entlang und bekamen somit ein Gefühl für die extreme Ausdehnung des größten Sees der Erde. Wenn man in Deutschland 3 Stunden Zug fährt kommt man von Dresden bis nach Berlin... (und das ist nur das kleine Südufer).
Typisches sibirisches Dorf
Unser chinesischer Schaffner versucht uns zu zeigen, wo wir gerade sind.
Eines der besten und hilfreichsten Weihnachtsgeschenke!
Am Nachmittag erreichten wir die Stadt Irkutsk. Von hier aus wollen wir die nächsten Tage den Baikalsee erkunden. 
Erster Eindruck der Stadt vom Zug aus.

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